Endlich durchschlafen: Was bei Schlafproblemen wirklich hilft
Wach im Bett, der Kopf auf Hochtouren, und jeder Blick auf die Uhr macht es schlimmer. Was die Forschung über besseren Schlaf weiß – von der Verhaltenstherapie bis zur Hypnose.
- Bei anhaltenden Schlafproblemen ist die Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) laut europäischer Leitlinie die erste Wahl.
- Hypnose kann den Tiefschlaf vertiefen, zumindest bei gut ansprechbaren Menschen. Sie ist eine sinnvolle Ergänzung.
- Feste Aufstehzeiten und nicht wach im Bett zu kämpfen sind gute erste Schritte.
Eine schlechte Nacht hat jede:r mal, vor einer Prüfung, nach einem Streit oder in stressigen Wochen. Problematisch wird es, wenn sich die schlechten Nächte festsetzen. Fachleute sprechen von einer chronischen Insomnie, wenn Ein- oder Durchschlafprobleme mindestens dreimal pro Woche über mindestens drei Monate auftreten und den Alltag beeinträchtigen. Oft entsteht dann ein Teufelskreis: Je mehr wir uns anstrengen, endlich zu schlafen, desto wacher werden wir.
Erste Wahl: Verhaltenstherapie für Insomnie
Die europäische Insomnie-Leitlinie empfiehlt für Erwachsene mit chronischen Schlafstörungen die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) als erste Behandlung, vor Schlafmitteln. Auch digitale Programme haben sich bewährt (Riemann et al., 2023). Die KVT-I besteht aus mehreren Bausteinen:
- Bettzeit anpassen: Die Zeit im Bett wird vorübergehend an die tatsächliche Schlafdauer angepasst, damit der Schlafdruck steigt und der Schlaf wieder tiefer wird. Diesen Baustein solltest du am besten mit fachlicher Begleitung umsetzen.
- Bett = Schlaf: Das Bett wird wieder zu einem Ort, den der Körper mit Schlafen verbindet, nicht mit Grübeln, Handy oder Ärger.
- Gedanken über den Schlaf prüfen: Sätze wie „Wenn ich jetzt nicht schlafe, ist morgen alles ruiniert“ setzen unter Druck. Wir schauen gemeinsam, was davon wirklich stimmt.
- Entspannung und Schlafhygiene: Sie sind ergänzende Bausteine, für sich allein aber meist nicht ausreichend.
Was Hypnose beitragen kann
Eine viel beachtete Studie der Universitäten Zürich und Fribourg untersuchte 70 gesunde junge Frauen bei einem Mittagsschlaf. Vorher hörten sie entweder eine Hypnose-Aufnahme mit der Suggestion, tiefer zu schlafen, oder einen neutralen Text. Bei gut hypnotisierbaren Teilnehmerinnen stieg der Anteil des erholsamen Tiefschlafs nach der Hypnose um rund 80 %, und die Wachzeit sank um etwa ein Drittel. Bei wenig hypnotisierbaren Frauen zeigte sich dieser Effekt kaum (Cordi, Schlarb & Rasch, 2014).
Eine Übersichtsarbeit über 24 Studien zu Hypnose und Schlaf fand in mehr als der Hälfte der Studien positive Effekte. Viele Studien waren allerdings klein und methodisch schwach (Chamine, Atchley & Oken, 2018). Mein Fazit daraus: Hypnose ist eine vielversprechende Ergänzung, besonders um abends abzuschalten. Sie ersetzt aber nicht die bewährten Bausteine der KVT-I.
Drei Dinge, die du heute Abend ausprobieren kannst
- Steh jeden Tag zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende und auch nach einer schlechten Nacht. Das stabilisiert deinen inneren Rhythmus schneller als frühes Zubettgehen.
- Kämpf nicht im Bett. Wenn du gefühlt länger als etwa 20 Minuten wach liegst, steh auf und mach bei gedämpftem Licht etwas Ruhiges. Geh erst zurück ins Bett, wenn du wirklich müde bist. Und dreh die Uhr um.
- Park deine Gedanken vorher. Eine feste Sorgenzeit am frühen Abend hilft vielen, nachts weniger zu grübeln. Wie das geht, steht in Warum Grübeln so hartnäckig ist. Eine kurze Atemübung vor dem Schlafen kann den Übergang erleichtern.
Wann du ärztlich abklären solltest
Lautes Schnarchen mit Atemaussetzern, unruhige Beine am Abend oder starke Müdigkeit am Tag trotz ausreichend Zeit im Bett können auf körperliche Ursachen hinweisen. Lass das bitte ärztlich abklären, bevor wir psychotherapeutisch daran arbeiten.
Quellen
- Riemann, D. et al. (2023). The European Insomnia Guideline: An update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023. Journal of Sleep Research, 32(6), e14035. doi.org/10.1111/jsr.14035
- Cordi, M. J., Schlarb, A. A. & Rasch, B. (2014). Deepening sleep by hypnotic suggestion. Sleep, 37(6), 1143–1152. doi.org/10.5665/sleep.3778
- Chamine, I., Atchley, R. & Oken, B. S. (2018). Hypnosis intervention effects on sleep outcomes: A systematic review. Journal of Clinical Sleep Medicine, 14(2), 271–283. ohsu.elsevierpure.com
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung. In einer akuten Krise erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111.